Am Rosborg Gymnasium & HF in Vejle summen die Klassenräume in diesen Wochen von etwas, das früher normalerweise zu Menschen mit Krawatte auf dem hektischen Parkett der Börse gehörte: Rohstoffe, Risiko, Strategie und globale Marktbewegungen. 272 Schüler nehmen derzeit am jährlichen Börsenspiel der Schule teil – ein Verlauf, der bereits zum dritten Jahr in Folge Investitionen und wirtschaftliches Verständnis für die gesamte Schule auf den Stundenplan setzt.
Hinter der Initiative steht Morten Juhl Lassen, Dozent für Mathematik und Betriebswirtschaft.
Das Rosborg Gymnasium & HF hat rund 1.400 Schüler und 150 Lehrkräfte und bildet jedes Jahr knapp 500 STX- und HF-Absolventen aus. Morten ist seit acht Jahren Gymnasiallehrer an der Schule und unterrichtet Mathematik und Betriebswirtschaft. Zuvor arbeitete er an einer HHX sowie als Wirtschaftskonsulent für Landwirte.
„Neben den Betriebswirtschaftsschülern laden wir auch die übrigen Schüler und Lehrkräfte der Schule zur Teilnahme ein. Das gibt dem Wettbewerb eine zusätzliche Dimension“, erklärt Morten.
Eine Million Kronen – und die Pflicht zur Verantwortung
Im diesjährigen Wettbewerb investieren die Schüler 1 Million fiktive Kronen. Doch es gibt einen Twist.
Die neue Diversifikationsfunktion ist aktiviert. Um ein gültiges Portfolio zu haben, müssen die Schüler mindestens 10 % Rohstoffe in ihren Investitionen halten. Sie können also nicht einfach das gesamte Vermögen auf eine Aktie setzen und auf Glück hoffen. Sie müssen strategisch denken. Sie müssen Risikostreuung verstehen.
„Viele Schüler interessieren sich für Aktien. Wir möchten ihnen beibringen, sich mit Diversifikation, Risiko und Strategie auseinanderzusetzen, wenn sie investieren. Auf diese Weise hoffen wir, dass es Teil der allgemeinen Bildung der Schüler wird – dass sie später im Leben die Möglichkeiten nutzen werden, die die Aktienmärkte bieten, um durch langfristige Investitionen Geld zu verdienen“, erklärt Morten.
Von der Theorie zur Realität in 30 Tagen
Der Ablauf ist einfach aufgebaut – aber die Wirkung ist groß.
Gemeinsame Einführung in Aktien: Alle Schüler erhalten eine gründliche Einführung darin, was Aktien sind, wie Märkte funktionieren und welche Faktoren die Kurse beeinflussen.
Das Börsenspiel startet: Unmittelbar nach der Einführung beginnt der Wettbewerb. Er läuft ungefähr einen Monat.
Wettbewerb über die ganze Schule hinweg: Nicht nur die Betriebswirtschaftsschüler nehmen teil. Die gesamte Schule – Schüler und Lehrkräfte – wird eingeladen.
Externer Experte zu Besuch: Ein Aktienanalyst einer der großen Banken besucht die Schule und gibt den Schülern Einblicke in aktuelle globale Verhältnisse und deren Bedeutung für die Märkte.
Es dauert ungefähr 5 Minuten, das Spiel einzurichten, und insgesamt rund eine Stunde, Investspiel vorzustellen. Danach läuft das Spiel parallel zum bereits stattfindenden Unterricht. Rosborg nimmt Wirtschaft und Investitionen sehr ernst und hat insgesamt 50–100 Stunden für Aktien und Wirtschaft als Ganzes vorgesehen.
Wie Morten sagt:
„Gespräche und Fokus auf das Spiel mit den Schülern unterwegs ist man ja selbst Herr darüber, wie viel Zeit man dafür verwendet.“
Motivation, die man spüren kann
Wenn eine Zinsänderung in den USA oder ein geopolitischer Konflikt die eigenen Portfolios der Schüler im Spiel beeinflusst, wird Weltwirtschaft plötzlich konkret. Abstrakte Begriffe bekommen Konsequenzen. Die Zahlen bedeuten etwas.
„Es ist eine große Motivation für die Schüler, dass sie sehen können, wie konkrete globale Verhältnisse ihren eigenen Aktienbestand beeinflussen“, sagt Morten.
Laut Morten ist der Unterschied deutlich.
„Wir spüren eine ganz andere Motivation bei den Schülern, das Fachliche zu verstehen, wenn wir es mit einem Wettbewerb kombinieren.“
Und das ergibt Sinn.
Die Verhaltensökonomie hat lange gezeigt, dass Anreize und Engagement das Lernen stärken. Wenn die Schüler selbst spüren und sehen können, wie sich die Realität im Unterricht entfaltet, wird ihre Aufmerksamkeit geschärft. Sie verfolgen die Nachrichten. Sie diskutieren Strategie. Sie stellen bessere Fragen.
Das ist Wirtschaft in der Praxis.
In einer Welt, in der Altersvorsorge, Investitionen und finanzielle Entscheidungen zunehmend beim Individuum liegen, ist finanzielles Verständnis kein Nischenfach. Es ist Lebenskompetenz.
Einfach loslegen!
„Man muss einfach loslegen. Es bietet sich als Teil der Betriebswirtschaft oder Unternehmenswirtschaft an. Ich glaube, es wird entscheidend für das Lebenseinkommen der jungen Menschen sein, dass sie mit einer vernünftigen Strategie an den Finanzmärkten teilnehmen.“
An diesem Ansatz ist etwas befreiend Bodenständiges. Keine großen Gesten. Keine Buzzwords. Einfach Handeln.
Wenn sich 272 Schüler mit Investitionen, Risiko und Diversifikation beschäftigen – und das mit fachlicher Ernsthaftigkeit tun – dann ist das nicht nur ein Börsenspiel.
Es ist ein Schulbeispiel dafür, wie Unterricht eine Brücke zwischen Klassenzimmer und Realität bauen kann.
Und dafür braucht es eine Sache: Einen Lehrer, der den Mut hat, Richtung vorzugeben.
Tausend Dank an Lehrkräfte wie Morten, die Initiative ergreifen und Wirtschaft sowie Investitionen nah an die jungen Menschen bringen.

Morten Juhl Lassen
Dozent für Mathematik und Betriebswirtschaft
Rosborg Gymnasium & HF
